Evelyn Bracklow *1986 lebt und arbeitet in Dortmund.

In ihren Arbeiten verhandelt sie die Schnittstellen zwischen Kunst und Design. Ihr Material schöpft sie aus alltagskulturellen Praktiken und dem täglichen Umgang mit Objekten. Neben Keramiken der Tischkultur – Tassen, Teller, Vasen – beschäftigt sie sich auch mit figürlichen Objekten. Dabei bleiben die Objekte stets dem Gebrauch erhalten, durch die Form der Bemalung gewinnen sie jedoch einen Kontext hinzu: Bracklow, übermalt, besiedelt und befremdet die Objekte durch Ameisen. Ganze Insektenstaaten und emsige Individuen begehen die Objekte und krabbeln auf der Oberfläche. Der vermeintliche Schädling wird zum irritierenden Moment im Gebrauch und verhandelt neben der Irritation auch das Verhältnis von Mensch und Natur. Die Ameise wird zum korrektiv und provoziert Gedanken über Wertigkeiten, Wertschätzung und Vergänglichkeit und wird so zu einer direkten Reaktion auf gesellschaftliche Zustände. 

Doch Bracklow ist nicht allein der Ameise verpflichtet. Und bleibt doch dem Thema des Abarbeitens treu: In Bildobjekten klebt sie filigrane D-c-fix Foliensteifen tausendfach auf den Bildträger. Das Material entstammt der Industrie und findet sonst zum Beispiel in Werbebeschriftungen oder der Verkleidung von Gebrauchsgegenständen seine Verwendung. Schicht um Schicht erwachsen Netze, Nester, Strukturen zu dynamischen Objekten auf der Fläche. In Neonfarben, spiegelnd, monochrom weiß oder schwarz bilden die Schnipsel und Fragmente einen neuen Kontext - wirken nun fast organisch und laden zum mehrfachen Hinschauen ein. So sind die Arbeiten auch als Gegenentwurf zur Schnelllebigkeit und Effizienz unserer Zeit zu verstehen, als Versuch einer Entschleunigung. Für die Künstlerin - durch ihren Entstehungsprozess und für die Betrachter*innen, durch den Nachvollzug dieser Tätigkeit. Die aufgebrachte Zeit soll sichtbar und spürbar werden und kann Orientierung bieten in einer unübersichtlichen Zeit.

Bracklows Arbeiten leisten einen wichtigen Beitrag in der Auseinandersetzung von Kunst und Alltag mit internationaler Sichtbarkeit. Ihre künstlerischen Handlungen sind direkte Beiträge zu einer Diskussion um den Stellenwert von Kunst in der Gesellschaft und sensibilisieren zugleich für Gebrauchsobjekte und alltagskulturelle Praktiken, mit Blick auf Nachhaltigkeit und Wertschätzung für das Gegenüber.